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Intuitive Gewißheit

Buchmesse in Leipzig vom 14. - 17. März 2013
A K V Arbeitskreis Kleinere Verlage im Börsenverein des Deutschen Buchhandels

1905 formulierte Albert Einstein während seiner Tätigkeit am Eidgenössischen Patentamt in Bern seine Entdeckungen, die in die Annalen der Physik eingingen.[1] Im Jubiläumsjahr 2005 melden sich nun zahllose Autoren über Einstein zu Wort. Sie tragen zusammen, was sich über ihn vermelden lässt. Ich reihe mich ein, aber nicht nur, um über ihn zu berichten und seine Verdienste zu würdigen. Das tun andere viel besser als ich.
Mehrere Jahrzehnte lang habe ich mich intensiv in seine Gedankenwelt vertieft und mehr gefunden als allenthalben besprochen wird. Natürlich hat er die atomare Struktur der Materie und die Quantennatur des Lichts nachgewiesen und daraus Schlüsse gezogen.[2] Natürlich schuf er die Relativitätstheorie. Das Ziel aber, das ihm – wie ebenso seinem Förderer Max Planck – noch weit mehr am Herzen lag, nämlich die gesamte Physik zu einer Einheit zu verschmelzen,[3] erreichten beide nicht. Dieses Ziel ist nach 100 Jahren – und was das Auffinden des Wirkungsquantums betrifft nach 105 Jahren – noch immer weit entfernt.
Von dem Punkt der physikalischen Entwicklung an, wo man ohne statistische Ermittlungsmethoden nicht mehr weiterkam, hatte man ihn im Stich gelassen. Er suchte indes parallel zu den Wahrscheinlichkeitsüberlegungen stur einen direkten strengen Lösungsweg. Sein Festhalten an einem realen Lauf des Weltgeschehens ohne hyperdominiert bewertetes Wahrscheinlichkeitsprinzip erschien der jungen Generation der Physiker – teilweise auch der heute agierenden – als unmodern und überaltet. Aber die einseitig statistisch überbewertete Quantenphysik versperrt die Sicht auf eine einheitliche naturwissenschaftliche Auffassung. Ich widerspreche energisch:  Die Einheit der Physik und aller Naturwissenschaften wird erst durchzusetzen sein, wenn man zu Einsteins klaren und weitsichtigen Auffassungen zurückkehrt, u. a. zur Anerkennung einer erfassbaren realen Welt. Mir sind Behauptungen zuwider, die die Welt selbst nur als »wahrscheinlich« ansehen, weil uns bestimmte Fakten erst über statistische Überlegungen zugänglich sind. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Tatsachen, die wir nicht direkt entschlüsseln können, beweisen nicht die Ungewissheit des Ganzen. Uns ist etwas wahrscheinlich oder unwahrscheinlich, wenn wir es nicht wissen. Für das Ganze existieren solche Begriffsbeziehungen nicht. Das Universum ist sich seiner in jedem Falle sicher, gleichgültig, ob man das aus der Natur oder dem Glauben an Gott schlussfolgert.
Einstein wollte Tatsachen in Gedanken nachbilden, wie Ernst Mach empfahl, um „Erfahrung zu ersetzen oder zu ersparen durch Nachbildung und Vorbildung von Tatsachen in Gedanken, welche Nachbildungen leichter zur Hand sind als die Erfahrung selbst und diese in mancher Beziehung vertreten können.“[4] An Max Born schrieb Einstein 1947:  „Davon bin ich fest überzeugt, dass man schliesslich bei einer Theorie landen wird, deren gesetzmässig verbundene Dinge nicht Wahrscheinlichkeiten, sondern gedachte Tatbestände sind, wie man es bis vor kurzem als selbstverständlich betrachtet hat.“[5]
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[1] Albert Einstein:  „Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen GesichtspunktSechstes Heft, 6., S.132-148; „Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten TeilchenAchtes Heft, 5., Seiten 549-560; „Zur Elektrodynamik bewegter KörperZehntes Heft, 3., Seiten 891-921; „Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig?Dreizehntes Heft, 13., Seiten 639-641
A n n a l e n  d e r  P h y s i k ,  Vierte Folge, Bd. 17, DER GANZEN REIHE 322. Bd., Begründet und fortgeführt durch F. A. C. Gren, L. W. Gilbert, J. C. Poggendorff, G. u. E. Wiedemann, K U R A T O R I U M : F. Kohlrausch, M. Planck, G. Quincke, W. C. Röntgen, E. Warburg unter Mitwirkung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und insbesondere von M. Planck, hrg. von Paul Drude Leipzig 1905, Verlag von Johann Ambrosius Barth

[2] Albert Einstein:  „Zwischen den theoretischen Vorstellungen, welche sich die Physiker über die Gase und andere ponderable Körper gebildet haben, und der Maxwellschen Theorie der elektromagnetischen Prozesse im sogenannten leeren Raume besteht ein tiefgreifender formaler Unterschied. Während wir uns nämlich den Zustand eines Körpers durch die Lagen und Geschwindigkeiten einer zwar sehr grossen, jedoch endlichen Anzahl von Atomen und Elektronen für vollkommen bestimmt ansehen, bedienen wir uns zur Bestimmung des elektromagnetischen Zustandes eines Raumes kontinuierlicher räumlicher Funktionen, so dass also eine endliche Anzahl von Grössen nicht als genügend anzusehen ist zur vollständigen Festlegung des elektromagnetischen Zustandes eines Raumes. Nach der Maxwellschen Theorie ist bei allen rein elektromagnetischen Erscheinungen, also auch beim Licht, die Energie als kontinuierliche Raumfunktion aufzufassen, während die Energie eines ponderablen Körpers nach der gegenwärtigen Auffassung der Physiker als eine über die Atome und Elektronen erstreckte Summe darzustellen ist. Die Energie eines ponderabeln Körpers kann nicht in beliebig viele, beliebig kleine Teile zerfallen, während sich die Energie eines von einer punktförmigen Lichtquelle ausgesandten Lichtstrahles nach der Maxwellschen Theorie (oder allgemeiner nach jeder Undulationstheorie) des Lichtes auf ein stets wachsendes Volumen sich kontinuierlich verteilt.“
Ebenda Sechstes Heft, 6., Seite 132
[3] Max Planck: „Denn die physikalische Forschung kann nicht rasten, solange nicht mit der Mechanik und der Elektrodynamik auch die Lehre der ruhenden und der strahlenden Wärme zu einer einzigen einheitlichen Theorie zusammengeschweisst worden ist.“
„Die Kultur der Gegenwart, ihre Entwicklung und ihre Ziele“, 3. Teil: Mathematik/ Naturwissenschaft/ Medizin, 3. Abt: Anorganische Naturwissenschaften, 1. Band: PHYSIK Seite 821
[4] Shmuel Sambursky: „Der Weg der Physik - 2500 Jahre physikalisches Denken
Texte von Anaximander bis Pauli“
Hutchinson&Co/ArtemisVerl. Zürich, DTV München 1978, Seite 609
[5] Brauer/Streitwolf/Werner (Hsg): „Festband zum 75. Jahrestag der Entdeckung der Planckschen Energiequanten ..., Teil I und II, Akademie-Verlag Berlin 1975/77, Seite 172

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